📊 Ausführliche Referenzen

Zifferblatt, Gehäuseboden und Punzen: Uhrenbeschriftungen entschlüsselt

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit 2017 verlangt das Schweizer Recht für Swiss Made mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz; SWISS MOVT bedeutet, dass die Uhr als Ganzes diese Kriterien nicht erfüllt.
  • Die Beschriftung der Leuchtmasse datiert ein Zifferblatt: T SWISS MADE T und SWISS – T < 25 verweisen auf Tritium und die Zeit vor 1998; ein einfaches SWISS MADE kennzeichnet Super-LumiNova ab 1998.
  • 750 steht für 18 Karat, 585 für 14 Karat und 375 für 9 Karat; GOLD PLATED oder 20 MICRONS kennzeichnen Vergoldungen, kein Massivgold.
  • Schweizer Goldgehäuse tragen vor August 1995 einen Helvetia-Kopf und danach einen Bernhardinerkopf als Feingehaltsstempel.
  • Leuchtet die angebliche Original-Leuchtmasse einer Uhr mit fünfzig Jahren Gehäuseverschleiß noch hell im Dunkeln, wurde das Zifferblatt nachträglich neu belegt (relumed).

Nahezu alles, was eine Uhr über ihre Herkunft und Beschaffenheit preisgibt, steht auf dem Zifferblatt gedruckt oder ist in das Gehäuse eingeprägt. Wo sie hergestellt wurde, aus welchem Material sie besteht, welche Leuchtmasse auf den Zeigern aufgetragen ist, ob das Werk eine Chronometerprüfung bestanden hat und in welchem Zeitraum sie das Werk verlassen hat — all das ist in einer kompakten Kurzschrift festgehalten. Es dauert etwa zehn Minuten, sie zu verstehen, und nützt Ihnen für den Rest Ihres Sammlerlebens.

Die Zeile bei sechs Uhr: Swiss Made und seine Varianten

Der Text am unteren Zifferblattrand ist gesetzlich reguliert, nicht dekorativ. Seit dem 1. Januar 2017 schreibt das Schweizer Recht vor, dass bei einer mit Swiss Made gekennzeichneten Uhr mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen müssen. Zudem muss ein Schweizer Uhrwerk verbaut sein und das Einschalen sowie die Endkontrolle müssen in der Schweiz erfolgen.

ZifferblattaufschriftBedeutung
SWISS MADEErfüllt die vollständigen Swiss-Made-Kriterien
SWISS MOVT / SWISS MOVEMENTSchweizer Werk, aber die Uhr als Ganzes qualifiziert sich nicht
SWISS PARTSAußerhalb der Schweiz montiert, mit einzelnen Schweizer Komponenten
SWISSÄltere Bezeichnung, meist auf Zifferblättern vor den 1960er-Jahren
JAPAN / JAPAN MOVTJapanisches Werk, Gehäusemontage beliebig
Keinerlei HerkunftsbezeichnungMicrobrand, Modemarke — oder eine Fälschung, bei der der Text weggelassen wurde

Ein Zifferblatt mit der Aufschrift SWISS MOVT auf einer Uhr, die als Schweizer Luxusuhr verkauft wird, ist nicht zwangsläufig eine Fälschung. Es handelt sich jedoch um ein Modell, bei dem Marketinganspruch und rechtlicher Status auseinanderdriften — und dieser Unterschied schlägt sich üblicherweise im Wiederverkaufswert nieder.

Leuchtmasse: ein Datumsstempel auf dem Zifferblatt

Da die Leuchtmasse auf Zeigern und Indizes im Laufe des 20. Jahrhunderts aus Sicherheitsgründen zweimal grundlegend umgestellt wurde, grenzen die Kennzeichnungen rund um die Swiss-Made-Zeile das Alter eines Zifferblatts präziser ein als fast jede andere Markierung.

ZifferblattmarkierungLeuchtmasseÄra
Keine Markierung, dunkle Patina, Vintage-GehäuseRadiumca. 1915–1960er-Jahre
T SWISS MADE TTritiumca. 1960er-Jahre–1998
SWISS – T < 25Tritium, unter 25 Millicurieca. 1960er-Jahre–1998
L SWISS MADE LLuminovaca. 1993–1998
SWISS MADE (ohne Zusatzbuchstaben)Super-LumiNova oder Äquivalentab 1998
Röhrenmarkierungen, H3Tritiumgas-Röhrchen (Tritium-Gaslichtquellen)ab den 1990er-Jahren, bestimmte Marken

Wie sich die Materialien im Alterungsprozess unterscheiden

  • Radium leuchtet heute kaum noch oder gar nicht mehr, bleibt jedoch radioaktiv; farblich reicht es meist von Cremeweiß bis Dunkelbraun. Behandeln Sie ein beschädigtes Radium-Zifferblatt mit äußerster Vorsicht und schleifen oder kratzen Sie niemals daran.
  • Tritium altert zu einem warmen Creme- oder Kürbiston und leuchtet in der Regel überhaupt nicht mehr — seine Halbwertszeit liegt bei etwa zwölf Jahren.
  • Super-LumiNova unterliegt keinem radioaktiven Zerfall, lädt sich durch Lichteinfall auf und leuchtet intensiv nach. Eine Uhr aus den „1960er-Jahren“, deren Leuchtmasse nachts kräftig strahlt, wurde entweder neu belegt (relumed) oder stammt schlicht nicht aus den 1960er-Jahren.

Neu belegte Zifferblätter sind weit verbreitet und nicht per se unredlich, sie wirken sich bei gesuchten Sammler-Referenzen jedoch erheblich auf den Marktwert aus. Ein Zifferblatt, dessen Leuchtmasse wie neu erstrahlt, während das Gehäuse fünfzig Jahre Tragespuren zeigt, ist die häufigste Unstimmigkeit auf dem Vintage-Markt.

Metallstempel: Woraus das Gehäuse wirklich besteht

StempelBedeutung
75018 Karat Gold, 75 % Feingehalt
58514 Karat Gold
3759 Karat Gold
950 / PT950Platin, 95 % Feingehalt
925Sterlingsilber
STAINLESS STEEL / ACIER INOXYDABLEEdelstahl
GOLD PLATED, 20 MICRONS, PLAQUÉ OR G20Vergoldet, kein Massivgold
GOLD FILLED, 1/20 12K GFAufgewalzte Goldschicht über Basismetall (Walzgold)
BASE METAL / BASE METAL BEZELUnedle Legierung, typisch für Modeuhren
ALL STAINLESS STEEL BACKEdelstahlboden auf vergoldetem oder goldhaubenverziertem Gehäuse

Schweizer Feingehaltsstempel (Punzen)

Die Schweiz kontrolliert Gehäuse aus Edelmetall seit 1880 über staatliche Edelmetallkontrollämter. Dies liefert einen zweiten, unabhängigen Datierungsansatz.

  • Der Helvetia-Kopf findet sich auf Schweizer 18-Karat-Goldgehäusen, die vor August 1995 geprüft und gepunzt wurden
  • Ab dem 1. August 1995 ersetzte eine einheitliche Punze — der Kopf eines Bernhardiners — die früheren Symbole und gilt seither für alle Edelmetalle und Feingehalte
  • Britische Gehäuse tragen die Punze des jeweiligen Kontrollamts (ein Leopardenkopf für London, ein Anker für Birmingham) sowie einen Jahresbuchstaben (date letter), der das Herstellungsjahr exakt bestimmt
  • Ein Gehäuse mit dem Stempel 750 ohne jegliche offizielle Amtspunze rechtfertigt Skepsis, insbesondere bei Marken, die ihre Gehäuse ausnahmslos amtlich punzieren ließen

Gehäuseboden und Gehäusebeschriftung

KennzeichnungWie sie einzuordnen ist
Referenz- / ModellnummerDas primäre Identifikationsmerkmal — danach immer zuerst suchen
SeriennummerDatiert Gehäuse oder Werk; siehe den Seriennummern-Leitfaden
WATER RESISTANTAussage über den Zustand des Neugehäuses ab Werk, nicht über die heutigen Dichtungen
30 M / 3 ATM / 3 BARNur spritzwassergeschützt, keinesfalls zum Schwimmen geeignet
100 M / 10 ATMZum Schwimmen geeignet; nicht für Wassersport mit hoher Stoßbelastung
200 M+ mit verschraubter KroneEchte Tauchtauglichkeit bei intakten, frischen Dichtungen
OFFICIALLY CERTIFIED CHRONOMETERVon der COSC zertifiziertes Uhrwerk
SUPERLATIVE CHRONOMETER OFFICIALLY CERTIFIEDHauseigene Rolex-Zertifizierung, die über die COSC-Kriterien hinausgeht
MASTER CHRONOMETERMETAS-Zertifizierung, Omega und Swatch Group, ab 2015
Blanker, spiegelpolierter Gehäuseboden ohne TextHäufig bei Fälschungen von Modellen, die eigentlich Gravuren tragen müssten

Angaben zur Wasserdichtigkeit spiegeln eine Labor-Druckprüfung an einer fabrikneuen Uhr wider, keine Garantie für ein vierzig Jahre altes Exemplar. Jede Vintage-Uhr gilt als nicht wasserdicht, bis sie nach einer frischen Revision erfolgreich auf Druckfestigkeit getestet wurde.

Präzise Textplatzierung und typische Fehler bei Fälschungen

Gefälschte Zifferblätter haben qualitativ stark aufgeholt, doch der Zifferblattdruck bleibt die größte Hürde für Fälscher: Er ist winzig, kontrastreich und verlangt Tampondruck-Werkzeuge, deren Anschaffung die meisten Fälscherwerkstätten meiden.

  1. Prüfen Sie den Zifferblattdruck unter 10-facher Vergrößerung. Ein authentischer Druck weist gestochen scharfe, gleichmäßig deckende Kanten auf. Fälschungen zeigen unter der Lupe oft ausgefranste Ränder, Farbverläufe in die Zifferblattoberfläche oder ungleichmäßige Buchstabenabstände.
  2. Überprüfen Sie die Ausrichtung. Der Zifferblatttext muss exakt auf die darüberliegenden Indizes oder das Markenlogo zentriert sein und parallel zum Zifferblattrand verlaufen.
  3. Gleichen Sie die Typografie mit einer verifizierten Referenzaufnahme ab. Hersteller wechseln Schriftarten zwischen Produktionsgenerationen; eine Typografie, die zu einer falschen Periode gehört, entlarvt das Teil sofort.
  4. Prüfen Sie das Datumsfenster. Schriftart, Ziffernfarbe, exakte Zentrierung im Fensterausschnitt und die Größe der Ziffern zählen zu den häufigsten Schwachstellen bei Repliken.
  5. Beurteilen Sie die Gravurtiefe auf dem Gehäuseboden. Werksgravuren sind präzise geschnitten und weisen eine gleichmäßige Tiefe auf; gefälschte Lasergravuren wirken unter Vergrößerung oft flach, unscharf und körnig.
  6. Achten Sie auf innere Stimmigkeit. Ein Tritium-Zifferblattaufdruck auf einer Modellreferenz, die erst 2012 eingeführt wurde, ist ausgeschlossen. Ebenso unmöglich ist ein Super-LumiNova-Leuchten auf einem unrestaurierten Zifferblatt von 1968.

Präzises Fotografieren dieser Details ist wichtiger als teures Kamera-Equipment. Fotografieren Sie das Zifferblatt frontal bei diffusem Licht, um den Druck zu prüfen, und nehmen Sie das Gehäuse anschließend in schrägem Streiflicht auf, um Gravuren sichtbar zu machen. Diese beiden Aufnahmen liefern nahezu sämtliche identifizierenden Merkmale einer Uhr.

Markierungen, die Sie stutzig machen sollten

  • Ein Zifferblatt mit der Kennzeichnung T SWISS MADE T bei einer Referenz, die erst nach 1998 gebaut wurde
  • Ein Gehäuseboden mit einer Seriennummer, die zeitlich nicht in das Produktionsfenster der Referenz passt
  • Ein Gehäusestempel 750, während an den Kanten der Bandanstöße eine abriebene Vergoldung sichtbar wird
  • Der Schriftzug WATER RESISTANT auf einem Gehäuse ohne eingefräste Dichtungsnut
  • Eine Chronometerbezeichnung auf einem Modell, das werksseitig nie als Chronometer zertifiziert war
  • Zwei unterschiedliche Schriftarten innerhalb derselben Textzeile auf dem Zifferblatt
  • Intensiv leuchtende Leuchtmasse in Kombination mit starkem, authentischem Trageverschleiß am Gehäuse

Kein einzelnes Merkmal liefert isoliert den endgültigen Beweis. In der Gesamtschau ergeben sie jedoch ein klares Muster. Ein systematischer Abgleich mit tausenden verifizierten Referenzbeispielen ist genau das, was eine KI-gestützte Uhrenidentifikation leistet — sie gleicht Zifferblatttext, Gehäusemarkierungen, Modellreferenz und plausible Bauzeit gegeneinander ab und weist gezielt auf Widersprüche hin.

Referenznummern: Das entscheidende Identifikationsmerkmal

Wenn Sie sich auf eine einzige Markierung konzentrieren, wählen Sie die Referenznummer. Eine Seriennummer datiert eine Uhr näherungsweise; die Referenz bestimmt präzise, um welches Modell in welcher Konfiguration und aus welcher Produktionsgeneration es sich handelt.

MarkeTypisches FormatBeispielPlatzierung
Rolex4–6 Ziffern, teils mit Buchstabensuffix116610LNZwischen den Bandanstößen bei 12 Uhr
OmegaDurch Punkte getrennte Ziffernblöcke210.30.42.20.01.001Gehäuseboden, Papiere
SeikoKombination aus Kaliber und Gehäuse7S26-0020Gehäuseboden
Tudor4–5 Ziffern plus Suffix79030NZwischen den Bandanstößen, Gehäuseboden
CartierVier Ziffern, gefolgt von einer Seriennummer2465Gehäuseboden
TAG HeuerKombination aus Buchstaben und ZiffernWAZ1110Gehäuseboden
BreitlingBuchstabe, Ziffernfolge, BuchstabeA13375Gehäuseboden, zwischen den Bandanstößen
IWCIW gefolgt von ZiffernIW371446Gehäuseboden, Papiere

Eine Referenznummer schlüsselt Gehäusematerial, Zifferblattvariante, Lünettenausführung und Modellgeneration in einer einzigen Zeichenfolge auf. Aus diesem Grund basieren sämtliche Preisdatenbanken, Forenbeiträge und Händlerkataloge auf diesem Code. Der Leitfaden zu Referenz- und Seriennummern zeigt, wo Sie die Nummer an Ihrer Uhr finden, und der Seriennummern-Leitfaden erklärt, wie Sie die gefundenen Ziffern zeitlich einordnen.

Wenn Referenz und Seriennummer historisch nicht zusammenpassen, ist dies der verlässlichste Fälschungshinweis, für den das Gehäuse nicht einmal geöffnet werden muss. Der Leitfaden zur Echtheitsprüfung erläutert sämtliche weiteren Kontrollschritte.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Swiss Made auf einem Zifferblatt genau?
Nach geltendem Schweizer Recht müssen seit dem 1. Januar 2017 mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten einer Uhr in der Schweiz entstehen. Das Uhrwerk muss schweizerisch sein und das Einschalen sowie die technische Endkontrolle müssen in der Schweiz stattfinden. SWISS MOVT bedeutet, dass lediglich das Uhrwerk die Schweizer Kriterien erfüllt.
Was bedeutet der Aufdruck T SWISS MADE T?
Dieser Hinweis besagt, dass Zifferblatt und Zeiger mit Tritium als Leuchtmasse versehen sind. Dies datiert das Zifferblatt in den Zeitraum zwischen den 1960er-Jahren und 1998. Die Kennzeichnung SWISS – T < 25 bedeutet dasselbe, garantiert jedoch eine Radioaktivität von unter 25 Millicurie.
Geht von einem Tritium-Zifferblatt eine Gefahr aus?
Nein. Das in Zifferblättern verwendete Tritium strahlt sehr schwach (reiner Betastrahler), und die Strahlung durchdringt weder Gehäuseglas noch die menschliche Haut. Nach mehreren Jahrzehnten ist der Großteil des Materials zudem zerfallen. Ernsthafte Vorsicht ist hingegen bei Radium-Zifferblättern vor den 1960er-Jahren geboten: Sie dürfen keinesfalls abgeschliffen, zerkratzt oder eingeatmet werden.
Was bedeutet ein 750-Stempel auf dem Gehäuse einer Uhr?
Er bescheinigt einen Feingehalt von 18 Karat Gold — das entspricht 750 Tausendsteln bzw. 75 Prozent reinem Gold. 585 steht für 14 Karat und 375 für 9 Karat. Ist ein Gehäuse mit GOLD PLATED, PLAQUÉ OR oder 20 MICRONS gestempelt, handelt es sich um eine Oberflächenvergoldung auf Basismetall, nicht um Massivgold.
Woran erkenne ich, ob ein Zifferblatt neu mit Leuchtmasse belegt wurde (Relume)?
Vergleichen Sie den Zustand der Leuchtmasse mit den Tragespuren des Gehäuses. Leuchtmasse, die intensiv nachleuchtet und makellos weiß wirkt, während das Gehäuse jahrzehntelange Abnutzung zeigt, ist das klassische Erkennungsmerkmal. Ein ungleichmäßiger Farbauftrag, über die Indexränder quellende Masse oder farbliche Abweichungen zwischen Zeigern und Indizes sind weitere Indizien.
Auf meiner Uhr steht WATER RESISTANT, aber es ist Wasser eingedrungen — warum?
Dieser Aufdruck beschreibt eine Druckprüfung, die die Uhr im Neuzustand im Werk bestanden hat. Gehäusedichtungen altern, härten durch Hitze und Weichmacherverlust aus und schrumpfen. Jede ältere Uhr muss grundsätzlich als nicht wasserdicht betrachtet werden, bis sie im Rahmen eines Service frisch abgedichtet und einer Druckprüfung unterzogen wurde.